2016 gewannen LeBron James und Kyrie Irving noch gemeinsam den ersten NBA-Titel für die Cleveland Cavaliers. In einer dramatischen Finalserie war es vor allem den beiden Superstars zu verdanken, dass das Team aus Ohio die hochfavorisierten Golden State Warriors mit 4:3 besiegten. Doch wenn die Cavaliers am kommenden Sonntag bei den Boston Celtics antreten, werden James und Irving nicht nur in unterschiedlichen Jerseys auflaufen – sie werden aus der gegenseitigen auch keinen Hehl machen.

Alles begann nach dem verlorenen Finale 2017. Im erneuten Aufeinandertreffen mit den übermächtigen Warriors waren die Cavs diesmal absolut chancenlos und gingen mit 1:4 unter. Wenige Wochen vor dem Start der neuen Saison ließ Irving dann die Bombe platzen. In einem Treffen mit dem Management verlangte er einen Trade zu einem anderen Team. Grund: Er wolle endlich sein eigenes Team anführen und nicht immer nur im Schatten von James stehen.

Der Schritt ist rückblickend  durchaus nachvollziehbar. Wer in einem Team mit dem wahrscheinlich immer noch besten Spieler der Welt spielt, muss akzeptieren, dass nur einer das Kommando hat: „King“ James. Eine Tatsache, die der ebenfalls sehr selbstbewusste Irving anscheinend Leid war. Gerüchten zufolge soll der 25-Jährige gesagte haben, dass er keine weitere Minute mit James in einem Team spielen werde. Öffentlich hielt sich LeBron mit Aussagen über seinen jungen Gegenspieler zurück, aber wer James kennt, weiß, dass er solche Majestätsbeleidigungen durchaus persönlich nimmt.

Und so wurde Irving im Tausch gegen Isaiah Thomas, Jae Crowder, Ante Zizic und einen First-Round-Draft-Pick nach Boston abgegeben. Viele Experten hielten den Wechsel aus Irvings für einen Fehler. Der allgemeine Tenor: In einem Team ohne James werde der offensiv hochbegabte, aber defensiv limitierte Point Guard an seine Grenzen stoßen. Doch bisher ist davon nicht s zu spüren – im Gegenteil. Mit 40:16 Siegen thronen die Celtics im Osten auf Platz eins. Irving fügte sich nahtlos in das Gefüge von Super-Coach Brad Stevens ein und wird sogar als Geheimfavorit auf den MVP – Auszeichnung für den bester Spieler der Saison – gehandelt.

Die Cavaliers dagegen sind noch weit von der Form der letzten Jahre entfernt. Trotz teilweise überragender Leistungen von James belegen die Cavs in der Eastern Conference zur Zeit nur den dritten Rang – mit deutlichem Abstand auf Boston. Das Management zog jetzt die Notbremse und tauschte vor dem Duell am Sonntag das halbe Team aus. Es wird interessant sein, ob „King“ James und seine neu formierte Truppe in der Lage sind, im TD Garden Paroli zu bieten.

Wer gewinnt das Spitzenspiel?