Einer gegen alle klingt eigentlich aussichtslos – aber nicht im Fall von Sandplatzkönig Rafael Nadal. Wenn am kommenden Sonntag die French Open in Paris beginnen, ist der Weltranglistenerste der klare Favorit. Die anderen 127 männlichen Teilnehmer dagegen sind krasse Außenseiter. Alles andere als der elfte Triumph des Spaniers beim größten Sandplatzturnier der Welt wäre eine Riesensensation. Fakt ist: Bleibt er von Verletzungen verschont, ist der 31-Jährige auf seinem Lieblingsbelag eigentlich unschlagbar.

Nadals unglaubliche Dominanz lässt sich am besten mit Zahlen veranschaulichen. 444 Partien bestritt er in seiner Karriere auf Sand, 408 Mal verließ er als Sieger den Platz. Bisher errang der Linkshänder 56 Turniersiege auf der roten Asche, darunter elf Siege in Monte Carlo, elf in Barcelona und zehn bei den French Open. Dort setzte sich Nadal gleich bei seiner ersten Teilnahme im Jahr 2005 die Sandplatzkrone auf – und legte sie seitdem nicht mehr ab. Seine Bilanz in Roland Garros: 79:2. Der einzige aktive Spieler, der ihn dort besiegen konnte, ist Novak Djokovic. Der andere, Robin Söderling, hat seine Karriere beendet.

Rekorde für die Ewigkeit

Das Unfassbare: Der Abstand zu seinen Konkurrenten ist größer als je zuvor. Ein Satzgewinn gegen Nadal ist für andere Weltklassenspieler ein echter Erfolg. Beispiel gefällig? Bis zum Viertelfinale in Madrid gewann der Spanier 50 Sätze in Folge auf der roten Asche – und stellte damit einen Rekord für die Ewigkeit auf. Dass auch Nadal nicht unfehlbar ist, zeigte sich am nächsten Tag, als er in der Runde der letzten Acht Dominic Thiem unterlag. Mit dem Turniersieg in Rom machte Nadal den Ausrutscher allerdings sofort wieder wett. Im Finale besiegte er den Deutschen Alexander Zverev in drei Sätzen. Seine Bilanz im Jahr 2018: 19 Siege, eine Niederlage.

Doch warum ist Nadal auf Sand eigentlich so schwer zu besiegen? Es gibt viele Gründe. Zum einen ist er immer noch schneller, stärker und  beweglicher als seine teilweise mehr als zehn Jahre jüngeren Herausforderer. Selbst aus aussichtslosen Positionen kann er noch Gewinnschläge anbringen. Dass er jeden Ballwechsel mit unbändigem Einsatz spielt, sich kaum Fehler ohne Not leistet und sich bei den Big Points durch außergewöhnliche Nervenstärke auszeichnet, macht die Aufgabe für die Gegner  nicht leichter.

Zum anderen hat es der Stil von Nadal in sich. Seine harten und präzisen Grundschläge und der extreme Linkshänder-Topsin sind für jeden Gegner eine Herausforderung – vor allem auf Sand, wo der Ball besonders hoch abspringt. Nadal muss oft gar nicht viel riskieren, um den Sandplatz als Sieger zu verlassen. Den Ball ins Feld zu spielen reicht oft vollkommen aus.

Welche Spieler können Nadal in Paris gefährlich werden?

Macht es bei dieser erdrückenden Dominanz überhaupt Sinn, gegen Nadal zu wetten? Durchaus. Auch der Mallorquiner muss erst einmal sieben Spiele in Folge gewinnen. Und es gibt ein paar Spieler, die ihm das Leben in Paris schwer machen können.

 

Dominic Thiem: Der Österreicher ist der einzige Spieler, der Nadal in diesem Jahr auf der roten Asche eine Niederlage zufügte. In Madrid feierte Thiem einen souveränen Zweisatz-Sieg. Damit ist er der einzige Spieler neben Djokovic, der Nadal auf dessen Lieblingsbelag mindestens dreimal bezwungen hat. Dass er den Sandplatzkönig auch in einem Match über drei Gewinnsätze schlagen kann, muss Thiem allerdings noch beweisen. Vielleicht ja bei den French Open …

 

Novak Djokovic: Der Serbe hat schon mehrfach unter Beweis gestellt, dass er Nadal auf jedem Belag besiegen kann. Sieben seiner 26 Erfolge über den Dauerrivalen kamen auf Sand zustande – 2015 fertigte er Nadal in Paris sogar in drei Sätzen ab. Das Problem: Seit dem French-Open-Erfolg 2016 hat Djokovic mit fehlender Form und Verletzungen zu kämpfen. Immerhin: Beim Turnier in Rom konnte er Nadal einen Satz lang Paroli bieten und verlor diesen erst im Tie-Break.

Alexander Zverev: Der Deutsche gewann in diesem Jahr schon 30 Matches – mehr als jeder andere Spieler. Siege bei den Turnieren in München und Madrid, ein Finale in Rom und ein Halbfinale in Monte Carlo zeigen, dass der 21-Jährige auch auf Sand sehr gut zurechtkommt. In der Theorie hat Zverev alle Waffen, um Nadal das Leben schwer zu machen: guter Aufschlag, harte, platzierte Grundschläge und eine gute Beinarbeit. In der Praxis muss er den Beweis allerdings noch vollbringen. In fünf Duellen mit dem Spanier zog er fünfmal den Kürzeren.

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